20.07.2022 17:51 Alter: 29 days
Kategorie: fb1, Musik

Bewegendes Chorkonzert der Chöre der ELS in St. Bonifatius



Nach mehr als zweieinhalb Jahren konnten die Chöre der Ernst-Ludwig-Schule unter der Leitung von Andreas Ziegler am 01. Juli 2022 wieder öffentlich in großem Rahmen auftreten. Erst seit acht Wochen ist das Singen ohne Maske an Schulen wieder erlaubt. Eine Zeit von digitalen Angeboten, Proben im Freien bei Wind, Regen, Hitze, allergischen Reaktionen und sogar Einschränkungen durch den Eichenprozessionsspinner oder in der Halle mit Maske und Abstand liegen hinter den jungen Sängerinnen und Sängern, denen die Freude bei diesem Konzert deutlich anzumerken war.

Nachdem bereits im vergangenen Jahr auf der Probenfahrt nach Weikersheim Chorsätze vertieft, aber bisher noch nicht präsentiert werden konnten, stand nun der (fast) vollständige Chor im Altarbereich der prachtvollen Kirche St. Bonifatius in Bad Nauheim. Besonders freute alle, dass sogar vier ehemalige Abiturienten (Jg. 2020) den Chor unterstützten, sodass auch diese angemessen in einem Konzert aus dem Chor, dem sie ihre gesamte Schulzeit die Treue gehalten hatten, verabschiedet werden konnten – blieb ihnen das doch durch den Jahrhundertlockdown der Schulen verwehrt.

So begrüßte Fachbereichsleiterin Eva Pfeiffer-Heidecke alle Anwesenden herzlich. Endlich wieder dürfe gesungen werden und sie vermutete, allen Sängerinnen und Sängern jubele das Herz, vor großem Publikum im Chor singen zu dürfen. Das sei einfach toll! Das Programm aber sei auch ein sehr nachdenkliches, das zum Innehalten auffordert, denn aufgrund der aktuellen Ereignisse habe das Konzert den Titel „...träumt, dass wieder Friede werde!“ erhalten.



Das Konzert eröffneten beide Chöre gemeinsam. Chor 5/6 und Chor 7-13 starteten jazzig mit „May the Lord send Angels“, das später als Zugabe den Abend auch beschließen sollte. Darauf vereinten sich zunächst die 5/6er mit den Frauenstimmen zum dreistimmigen „Circles“, die schließlich Amanda McBrooms „The Rose“ folgen ließen. Hierbei kamen die jungen Sopran- und Altstimmen in ihrer Klarheit in der Akustik der Kirche besonders schön zum Ausdruck. Schließlich vereinte sich der Chor 7-13 wieder mit den Männerstimmen bei „A Clare Benediction“ von John Rutter und „Dirait-on“ von Morten Lauridsen unter der Klavierbegleitung von Dorothee Hildebrand. Besonders der anspruchsvolle Satz auf ein französisches Rosengedicht Rilkes stellte den Chor wegen seiner vielfältigen Einsätze und spannungsreichen Harmonik vor größte Herausforderungen, die mit Leichtigkeit bewältigt wurden. Andreas Ziegler wies auf die Unaussprechlichkeit hin, die gerade in diesen Chorwerken liege. Klare Botschaft lieferte darauf der Chor 5/6 mit „Kannst Du seh'n, unsere Welt ist schön. Jeder Tag staunend Wunder uns schenkt!“ und „We are the World“ von Michael Jackson und Lionel Richie, das von Leonora Kamardi (6e) und Laura Nasisi (6a) solistisch eingeleitet wurde – Hochachtung vor diesen jungen Solistinnen!



Ein ganz besonderer Programmpunkt war der Auftritt des Bad Nauheimer A cappella-Vokalensembles, das am Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ in Oldenburg teilnehmen durfte. Maria Mincheva (Solgrabenschule), Shanice Gräber (ELS und Burg) – die ebenfalls ihre gesamte Schulzeit im Chor mitwirkte, dann WPU-Chorleitung belegte und schließlich gerade ihre Chorleitungsausbildung absolviert hat – sowie die beiden aktuellen ELS-Abiturientinnen Paula Adler und Kristina Neubauer brachten das Publikum zu stürmischem Applaus. „Joshua fit the battle of Jericho“, Verdis höchst anspruchsvolle „Laudi alla Vergine Maria“ und vor allem das klangschöne schwedische „Tystnaden“ erfüllten die Kirche mit Wohlkang – nur vier junge Frauenstimmen ohne Begleitung und Verstärkung!



Es folgte wieder ein Block mit Sätzen des Chores 5/6: „So wie tausend helle Sterne“ und „Schlaft, ihr Kinder dieser Erde“ stellten wieder die Hoffnung auf Frieden in den Mittelpunkt. Eine große Botschaft, die Musiklehrer Andreas Ziegler nach dem zweiten Text von James Krüss in den Untertitel des Konzertes umformulierte. Somit dankte Ziegler Sophie Lang (OK Kunst) für ihre symbolträchtige Zeichnung der Friedenstaube, die das Plakat auf das Konzert verweisen ließ, und erläuterte die besondere Zielsetzung des Konzertes zur Unterstützung der ukrainischen Schülerinnen und Schüler an der Ernst-Ludwig-Schule.


Im ersten Teil des Chorkonzertes wurden in einem Wechselspiel auch Textbeiträge von Schülerin-nen und Schülern der Klasse 9a, die in einem kreativen Schreibprojekt mit Deutschlehrerin Dorothee Hildebrand entstanden waren.
Vivien Bender und Emilia Knoll rezitieren gemeinsam das Gedicht „Auf dass es wieder Friede wer-de“, das Vivien verfasst hatte. Emilia stellte außerdem das Gedicht von Carlotta Cleblad vor, in dem der Frage nachgegangen wird, was sei, wenn Frieden sei, aber einer nicht mitmache. Arvin Dahler und Felix Ottmaier trugen ebenfalls in Wechselrede ihr Gedicht vor, in dem betont wurde: „Das Mit-einander zählt in dieser Welt“. Abschließend rezitierte Arvin einen Text, der als Gemeinschaftspro-jekt von Henry Crompton, Ibrahim Al-Ali, Tim Breiltgens sowie Kolja Ulrich entstanden war und hob die Botschaft „Kein Krieg, keine Zerstörung“ hervor.



Die nun folgenden Sätze des Chores 7-13 griffen diese nachdenklichen und visionären Gedanken auf: „Lullabye“ von Billy Joel, „An Irish Blessing“ - a cappella und intonationssicher vorgetragen – sowie „Give me Wings“. Der Abend neigte sich dem Ende und bevor sich alle Beteiligten wieder zum großen Chor vereinten, sangen die 5/6er „The Moon“, zweistimmig, polyphon und zeigten auch in kleinen solistischen Gruppen, dass alle sehr gut singen können, indem „Der Mond ist aufgegangen“ im Wechsel mit dem großen Chor erklang. Die größte Klangentfaltung brachte schließlich „When you Believe“ aus dem Film „Prince of Egypt“ von Mariah Carey und Whitney Houston, das als bester Filmsong einen Oscar erhalten hatte, im Arrangement von Audrey Snyder. Auch hier kamen Botschaft und Klarheit der Ausführenden zu einem bewegenden, fast monumentalen Klang in der Kirche zusammen: Langanhaltender Applaus sowie Standing Ovations waren Lohn und Dank zugleich!
Schließlich dankte Ziegler den Mitwirkenden und würdigte – wie früher üblich – die teilnehmenden Abiturientinnen und Abiturienten der Jahrgänge 2020 und 2022 sowie Solistinnen und Künstlerin durch persönliche Worte und überreichte allen eine Rose.


Den Abschluss dieses fast zweistündigen Chorkonzertes nach so langem Schweigen bildete Felix Mendelssohns Choralmotette „Verleih uns Frieden gnädiglich“, bei der 5/6er, Solistinnen und Chor 7-13, wieder begleitet von Dorothee Hildebrand, den Altarraum füllten.



Eva Pfeiffer-Heidecke dankte in Vertretung der Schulleiterin Uta Stitterich den Chören und allen Mitwirkenden für dieses bewegende und berührende Konzert, sie dankte den Schülerinnen und Schülern für ihre Wortbeiträge und sie dankte allen Besuchern für das Kommen sowie für die Spenden, die zur Unterstützung der ukrainischen Schülerinnen und Schüler an der ELS verwendet würden.

Andreas Ziegler, Eva Pfeiffer-Heidecke