09.06.2022 17:17 Alter: 17 days
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Aufklärung über den Ukraine-Krieg - Ein Experte zu Besuch



Am Mittwoch, dem 25.05.2022, bekamen die Leistungskurse der Fächer PoWi und Geschichte (Q2) die Möglichkeit, den Experten für internationale Beziehungen und Politik des Völkerrechts Dr. Stefan Kroll zum Ukraine-Krieg zu interviewen. Während der Veranstaltung stellten die Schüler Nikolas Biehl und Ben Christoph dem Experten die zuvor im Unterricht vorbereiteten Fragen. Allerdings war es den Schülern jederzeit möglich, spontane Fragen an Herrn Dr. Kroll zu äußern. Bevor inhaltlich auf den Ukraine-Konflikt eingegangen wurde, stellte sich Herr Dr. Kroll vor und erzählte über seine Arbeit am Leibniz-Institut in Frankfurt, bei der er sich hauptsächlich auf internationale Beziehungen, Konflikte und das Völkerrecht spezialisiert. Er betonte dabei unter anderem die Wichtigkeit der Aufklärung über solche Konflikte wie in der Ukraine.

Zum Einstieg wurde der Beginn und Ursprung des Krieges thematisiert. Dabei ging Dr. Kroll auf die Behauptung Putins ein, dass der Krieg durch die fehlende Beachtung Russlands Sicherheitsinteressen gerechtfertigt sei. Hierzu zählen insbesondere die NATO-Osterweiterung, welche seitens Russlands als Bedrohung der nationalen Sicherheit angesehen wird. Zum anderen habe es seitens der NATO-Partner zu keiner Zeit verbindliche Zusagen an die Sowjetunion bzw. Russland gegeben, die NATO nicht weiter in Richtung Osten zu erweitern, sodass es keine Sicherheitsgarantien für Russland gegeben habe. Diese Behauptungen wies Kroll entschieden zurück, indem er erklärte, dass die NATO als Verteidigungsbündnis nie eine Bedrohung dargestellt habe. Dazu erläuterte er, dass ein Krieg nach internationalem Recht nur zur Selbstverteidigung geführt werden dürfe und es sich bei dem von Russland initiierten Krieg um einen Angriffskrieg handele, welcher somit gegen das internationale Recht verstoße. Kroll halte Putins Beschreibung des Krieges als „Friedensmission“ für zynisch und unangemessen.

Weiterhin hob Dr. Kroll hervor, dass bereits seit Herbst 2021 russische Truppenbewegungen an den ukrainischen Grenzen gemeldet worden seien, sodass nach Einschätzung des Experten bereits zu dieser Zeit Unterstützungsmaßnahmen für die Ukraine hätten getroffen werden können. Darüber hinaus akzentuierte der Experte, dass nach der Verkündigung Russlands, die seit 2014 umkämpften „Volksrepubliken“ in der Ostukraine anzuerkennen, ein Krieg immer wahrscheinlicher wurde. Zu der Frage, wie der Krieg hätte verhindert werden können, artikulierte Dr. Kroll, dass die Annexion der Krim 2014 auf internationaler Ebene nicht ausreichend verurteilt worden war, da nur rhetorische Mittel angewandt wurden und auch der symbolische Ausschluss Russlands aus den G8 in keiner Weise eine zufriedenstellende Reaktion auf die Taten Russlands gewesen sei.

Auf Nachfrage des Publikums, ob vorzeitige Waffenlieferungen an die Ukraine einen Krieg hätten vermeiden können, bekräftigte Dr. Kroll, dass Waffenlieferungen die Ukraine hinsichtlich ihrer Verteidigung erheblich unterstützten, jedoch eine vorzeitige Abschreckung Russlands nicht sicher hätten gewährleisten können. Gleichzeitig müsste man sich jedoch der Konsequenzen solcher Waffenlieferungen bewusst sein. Als die Frage geäußert wurde, ob es zur Nutzung der Atomwaffen kommen könnte, antwortete der Experte, dass er es zwar zum jetzigen Zeitpunkt für unwahrscheinlich halte, jedoch zu bedenken sei, dass der Ausbruch des Krieges zuvor auch von den meisten als unwahrscheinlich eingeschätzt wurde und dennoch eintrat.

Auch wurden die Aufmerksamkeit und Hilfsbereitschaft der westlichen Länder und Bevölkerung gegenüber der Ukraine-Krise thematisiert, welche in solcher Ausprägung bei anderen Kriegen nicht unbedingt wahrzunehmen war. Weiterhin kritisierte der Experte die deutsche Außenpolitik im Hinblick auf die Zusammenarbeit mit Russland bei Energiefragen, welche eine starke Abhängigkeit verursachen und den Krieg erst finanzierbar gemacht hätten. Dr. Kroll pointierte allerdings, dass die Schuld des Krieges allein bei demjenigen liege, welcher die Situation initiiert habe und eskalieren ließ - in dem Fall dem russischen Machthaber Putin.

Abschließend möchten wir uns bei Herrn Dr. Kroll, Herrn Walter, Frau Kutzner und Frau Zimmermann bedanken, welche diese interessante und informative Veranstaltung ermöglichten.

Geschrieben von Caroline Meixner und Daniel Avanesian aus dem PoWi-Leistungskurs von Frau Zimmermann