09.02.2020 15:15 Alter: 7 days
Kategorie: erasmus

ERASMUS-Projekt der Ernst-Ludwig-Schule in Finnland


Hei Suomi!
Als sich 10 Schülerinnen und Schüler der ELS mit ihren begleitenden Lehrern Dorothee Hildebrand und Rolf Königshof am Sonntagmorgen am Flughafen Frankfurt trafen, um die Reise nach Ylivieska in Mittelfinnland anzutreten, waren noch viele Fragen offen.
Hatte man wirklich an alles gedacht? Das von der EU geförderte Projekt „My Sustainable Life“ war seit Monaten mit den beteiligten Schulen aus Finnland, Spanien und Griechenland akribisch vorbereitet worden; die Lehrerinnen und Lehrer hatten sich im Oktober in Finnland getroffen, um genaue Absprachen über die Themen und den Ablauf der insgesamt vier Treffen zu vereinbaren. Die Vorarbeiten an den Schulen waren abgeschlossen; jede Schule hatte eine Präsentation zu den Auswirkungen des Klimawandels in ihrem Land erstellt, die Gasteltern waren informiert und freuten sich bereits auf den Besuch aus anderen Ländern Europas, kleine Gastgeschenke waren vorbereitet, und dennoch, dennoch: War der Koffer nicht zu schwer? Würde man auf der vierstündigen Bahnfahrt von Helsinki nach Ylivieska etwas zu essen bekommen? Hatte man Schal, Mütze und Handschuhe griffbereit? Und würde es wirklich so kalt werden?


Alle Sorgen waren zu Beginn der Arbeitswoche verflogen. Mit viel Engagement und Konzentration begannen die 26 europäischen Gäste und ihre ca. 30 finnischen Altersgenossen ihre anspruchsvolle Arbeit. Sie präsentierten ihre Ergebnisse – sicherlich mit ein wenig Lampenfieber angesichts des großartigen Saales im Konzert- und Konferenzgebäude „Akustiikka“ – und begannen dann mit ihrer eigentlichen Projektaufgabe: In multinationalen Gruppen sollte, ähnlich wie bei Model United Nations, ein Rollenspiel vorbereitet werden, in dem ganz unterschiedliche gesellschaftliche und wirtschaftliche Gruppen zu einer gemeinsamen, auf Dialog und Kompromiss basierenden Lösungsstrategie für die Begrenzung des globalen Temperaturanstiegs finden sollten.


Detailliert vorbereitet durch die hervorragende Arbeit der finnischen Koordinatorinnen vertieften sich die Konferenzteilnehmer nun in ihre Rollen – Industriebosse sammelten Argumente für ihren Energiebedarf, Vertreter von Entwicklungsländern suchten nach Wegen, ihre Staaten wirtschaftlich voranzubringen und trotzdem auf fossile Energien zu verzichten, Umweltaktivisten planten ihre Verhandlungsstrategie gegenüber den Vertretern von Kohleindustrie und Erdölproduzenten.
Am Ende stand ein zähes Ringen um einen tragbaren Kompromiss – in mehreren Verhandlungsrunden (natürlich immer auf Englisch geführt!) gelang es den Teilnehmern mithilfe einer Projektion, in der alle Parameter vielfach verändert wurden, den globalen Temperaturanstieg bis zum Jahr 2100 auf 1.6 Grad zu beschränken – die Weltgemeinschaft ist dem ERASMUS-Team zu tiefem Dank verpflichtet!

Selbstverständlich durften bei all dieser anstrengenden Projektarbeit auch Spiel und Sport nicht zu kurz kommen. Was bot sich dazu besser an als ein Streifzug durch all die typischen finnischen Winterbeschäftigungen? Los ging’s also auf Langlaufskiern, steile Anstiege hinauf und rasante Abfahrten hinab. Einige künftige Olympiateilnehmer kristallisierten sich dabei heraus – allerdings gab es aber auch vereinzelte blaue Flecke…

Schlittschuhlaufen, Schneeschuhlaufen, Eishockeyspielen, Rodeln - alles wurde mit großem Spaß betrieben, und das herrliche Winterwetter trug seinen Teil dazu bei, dass am Ende der Ausflüge alle erschöpft, aber glücklich in ihre Gastfamilien zurückkehrten, um sich abends mit den neu gewonnenen Freunden zum Spielen und Tanzen zu treffen.

Fazit: eine rundum gelungene, sehr anstrengende und anspruchsvolle, aber mit tollen Erlebnissen gespickte Zeit liegt hinter den Teilnehmern; die Aufnahme in den Gastfamilien war überaus herzlich, die Produkte der gemeinsamen Arbeit können sich sehen lassen - und die eindrucksvollen Polarlichter, die plötzlich in einer sternenklaren Nacht aufflackerten, waren das Sahnehäubchen auf einer unvergesslichen Woche.

Rolf Königshof